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Nazi-Deutschland ordnete das gesamte Schulsystem der Rassenideologie und der Vorbereitung auf den Krieg unter. Lehrer wurden radikal gleichgeschaltet und Schüler systematisch militarisiert. Das ist Deutschland nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Eine Schule in Zeiten des totalitären Regimes: Der vierunddreißigjährige Geographie- und Geschichtslehrer, der eine Klasse der Unterstufe unterrichtet, ist zunächst ein Mitläufer des Systems. Er gerät in Bedrängnis, als er in einem Schüleraufsatz abfällige Bemerkungen über „Neger“ anstreicht. Der humanistisch denkende Pädagoge spürt, dass er sich dem faschistischen Zeitgeist beugen muss, wenn er seinen Pensionsanspruch nicht verlieren will. Auf einer Klassenfahrt realisiert er, dass die Erziehung der Schüler zum Militarismus lediglich zu Kälte, Mangel an Toleranz und Gottlosigkeit führt. Als er sich in einen Streit der Jugendlichen einmischt, lädt er selbst Schuld auf sich.
Die Geschichte des Lehrers, der versucht, sich mit humanistischen Idealen gegen die faschistischen Tendenzen seiner Schüler zu wehren, zählt zu den großen Klassikern der deutschen Moderne und ist auch heute noch leider sehr aktuell.
„…Wenn kein Charakter mehr geduldet wird, sondern nur der Gehorsam, geht die Wahrheit, und die Lüge kommt. Die Lüge, die Mutter aller Sünden…“
Auf Antrag der Gestapo wurde das Werk 1938 in die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ aufgenommen. Hermann Hesse schrieb im selben Jahr an Alfred Kubin:
„Ein kleines Buch empfehle ich Ihnen, eine Erzählung Jugend ohne Gott von Horváth. Sie ist großartig und schneidet quer durch den moralischen Weltzustand von heute.“
Der Roman erschien zuerst 1937 im Allert-de-Lange-Verlag in Amsterdam. Covergestaltung unter Verwendung einer Fotografie (Ausschnitt): Trommelschlagender Hitlerjunge, Portrait, 1943, Bildquelle: dpa. Coverschrift gesetzt aus der Dayton. Schlussmusik: François Couperin Les barricades mysterieuses (Ausschnitt).
Der Sprecher:
Holger Eberle, geboren 1972 in Baden-Baden, fand eher auf Umwegen zum Sprechen. Bereits in seiner Schulzeit stand er zwar regelmäßig auf der Theaterbühne, ohne jedoch diese Richtung ernsthaft weiterzuverfolgen. Erste Erfahrungen als Sprecher sammelte er, mit einem Diplom in Psychologie in der Tasche, während eines weiteren Studiums an der PH Karlsruhe. Aber erst nach diversen Tätigkeiten erfolgte 2025 der Schritt vor das Mikrofon. Sein besonderes Interesse gilt literarischen Werken mit feinem Humor, skurrilen Figuren und psychologischem Tiefgang. Mit „Die Wandlungen des Mattia Pascal” von Luigi Pirandello erschien seine erste Produktion für die hoerbuchedition words & music. Es folgt nun „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth.
Der Autor:
Edmund (Ödön) Josef von Horváth (* 9. Dezember 1901 in Sušak, Österreich-Ungarn; † 1. Juni 1938 in Paris) war ein auf Deutsch schreibender Schriftsteller ungarischer Staatsbürgerschaft. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Stücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“, „Glaube Liebe Hoffnung“ und „Kasimir und Karoline“ sowie durch seine zeitkritischen Romane „Der ewige Spießer“, „Jugend ohne Gott“ und „Ein Kind unserer Zeit“.






